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01 — Grundlage

Was ist Tantra?

Eine Schule der Achtsamkeit — nicht das, was viele darunter vermuten. Auf dieser Seite: die drei Richtungen des Tantra und worin sie sich unterscheiden, die drei Säulen unseres Curriculums und die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Meditierende Person im Gegenlicht der untergehenden Sonne Foto: Jared Rice

Tantra ist eine jahrhundertealte Lehre, die den Körper nicht vom Geist trennt. Sie versteht Atem, Wahrnehmung, Bewegung und Berührung als Wege der Meditation — nicht als Gegensatz zu ihr.

Anders als häufig angenommen ist Tantra kein erotisches Programm, sondern eine Schule der Achtsamkeit. Im Zentrum steht die Fähigkeit, im gegenwärtigen Moment zu bleiben — allein und in Gegenwart eines anderen Menschen. Klare Grenzen, Freiwilligkeit und ein geschützter Rahmen sind dabei nicht Beiwerk, sondern Voraussetzung; was das konkret bedeutet, steht in den rechtlichen Hinweisen und in den häufigen Fragen.

Meine Sichtweise

Tantra ist Meditation in Begegnung — und die Möglichkeit, sich im anderen zu spiegeln und aneinander zu wachsen, liebevoller und offener zu kommunizieren und sich durch achtsame Berührungen genährt zu fühlen.

Zur Einordnung

Weiß, Rot, Schwarz

Dass es schwerfällt, verlässliche Auskunft darüber zu bekommen, was Tantra eigentlich ist, höre ich immer wieder. Das beginnt damit, dass es mehrere grundverschiedene Richtungen gibt — und dass jede davon je nach Ausbildung, Schwerpunkt und Gruppe noch einmal sehr unterschiedlich gelehrt wird. Als erfahrene Tantrikerin gefällt mir diese Vielfalt gut; für Anfängerinnen und Anfänger ist sie vor allem verwirrend.

Weißes Tantra

Die Schule der Achtsamkeit

Weißes Tantra beschäftigt sich mit Achtsamkeit, Absichtslosigkeit, Atemübungen, Berührungskunst, Begegnungskunst, dem Erkennen und Wahren von Grenzen, Körperübungen, guter Kommunikation auf Augenhöhe, Massagetechniken, Meditation, grundsätzlichem Respekt voreinander sowie mit Tanz und Bewegung.

Es enthält keine Anleitungen für sexuelle Praktiken. Die gelernten Techniken können — müssen aber nicht — im privaten Rahmen dazu genutzt werden, eine erfülltere Sexualität oder tiefere Begegnungen zu erleben. Ebenso gut lassen sie sich für ganz anderes nutzen: die eigenen Grenzen besser zu erleben und zu bestimmen, friedvoller und offener zu kommunizieren, nährende Massagetechniken und eine gute Atmung zu erlernen, beweglich zu bleiben.

Rotes Tantra

Mit sexuellem Anteil

Rotes Tantra nutzt die Elemente des Weißen Tantra, vertieft sie und geht darüber hinaus: Es zeigt und leitet sexuell betonte Übungen an. In den Kursen und Begegnungen können — müssen aber nicht — sexuelle Kontakte stattfinden.

Schwarzes Tantra

Nicht zu empfehlen

Schwarzes Tantra hat eine eher schwarzmagische, manipulative Sicht. Nach meiner Einschätzung sollte es nicht praktiziert werden.

In meinen Gruppen wird ausschließlich Weißes Tantra gelehrt und praktiziert. Sexuelle Übungen finden nicht statt.

02 — Das Curriculum

Die drei Säulen

Jede Säule steht für sich und trägt gemeinsam mit den anderen. Wir arbeiten in kleinen Gruppen und immer wieder auch mit der ganzen Gruppe. Jeder Tag beginnt und endet mit einer Feedbackrunde im Kreis. Geführt werden die Seminare ärztlich.

I

Meditations­schulung

Die Basis: den eigenen Zustand wahrnehmen, halten und verändern können.

  • Kundalini-Meditation
  • Tandava
  • Atemmeditationen
  • Placeboeffekt-Meditationen
  • Visualisierungen
  • Transzendentale Meditation
  • Weitere Meditationsarten
II

Begegnungs­schulung

Begegnung meint mehr als sprechen und zuhören — auch den wortlosen Kontakt von Körper zu Körper.

  • Kontaktübungen mit Berührung
  • Kontaktübungen ohne Berührung
  • Begegnungen 1:1
  • Begegnungen in der Gruppe
  • Einsatz von Atemtechniken
  • Kommunikationsübungen
  • Feedbackübungen
III

Berührungs­schulung

Berührung ist eine Kunst: achtsam geben, klar empfangen, Grenzen kommunizieren und wahren.

  • Schulung in Berührungskunst
  • Massagetechniken
  • Massage 1:1
  • Massage in kleinen Gruppen
Kurz erklärt

Die Begriffe

Zwölf Wörter, die im Tantra ständig fallen — und was sie in der Praxis bedeuten.

Achtsamkeit

Achtsamkeit zu üben bedeutet: immer mehr im Augenblick zu sein, den Fokus auf den Moment zu richten und immer weniger Ablenkung zuzulassen. Sie kann zu tiefer Erholung und Zentrierung führen und gehört für mich zu dem, was in dieser schnelllebigen Zeit unbedingt geübt werden sollte.

Absichtslosigkeit

Zu lernen, Dinge auch einmal geschehen zu lassen, ohne sie zu lenken oder zu steuern — die Kontrolle abzugeben und dabei dennoch die vereinbarten Grenzen zu wahren. Eine absichtslose Berührung hat kein Ziel, auf das hingearbeitet wird; innerhalb des vorher vereinbarten Rahmens ergibt sie sich von selbst.

Atemübungen

Ein zentrales Element, in den verschiedensten Formen. Allen gemeinsam ist der Fokus auf der Steuerung und Nutzung des Atems. Das kann den Erholungszustand und das Energieniveau tiefgreifend verändern.

Berührungskunst

Zu lernen, wie man selbst und wie das Gegenüber berührt werden möchte — und das zu üben und zu vervollkommnen.

Begegnungskunst

Anderen Menschen mit einer inneren Haltung von Respekt, Aufrichtigkeit und Wohlwollen zu begegnen und dabei bei sich zu bleiben: die eigenen Grenzen immer besser zu kennen, sie zu kommunizieren und auf sich selbst zu achten — etwa auch dann vernünftig weiterzuatmen, wenn andere Menschen nah sind.

Grenzen

Die eigenen Grenzen immer mehr zu erkennen und zu lernen, sie klar und freundlich zu kommunizieren. Ebenso, die Grenzen des Gegenübers zu erfassen — etwa durch Nachfragen — und sie zu respektieren. Für Übergriffe ist im Tantra kein Raum.

Körperübungen

Mit Yogaübungen gelenkig bleiben, Sitztechniken erlernen, die Energie im Körper fließen lassen.

Kommunikation auf Augenhöhe

In der Kommunikation bei sich zu bleiben: statt anzuklagen von den eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Wünschen zu sprechen, aktiv zuzuhören, was das Gegenüber vermittelt, sich wünscht und braucht — und verschiedene Sichtweisen nebeneinander stehen lassen zu können.

Massagetechniken

Sich gegenseitig mit achtsamen, angenehmen Berührungen zu erfreuen, die Energie damit zum Fließen zu bringen und Körper und Seele tief zu nähren. Es gibt vielfältige Techniken, jede mit eigenem Reiz und Zweck.

Meditation

Tantra kennt viele verschiedene Meditationsformen, die regelmäßig geübt werden. Ihr Zweck ist die Schulung von Geist und Körper.

Respekt

Sich selbst und anderen mit einer Haltung von Achtung und Wertschätzung zu begegnen. Dazu gehört die Achtung vor den Bedürfnissen, Grenzen und Wünschen des Gegenübers — im weiteren Sinne auch der Respekt vor der Schöpfung.

Tanz und Bewegung

Wird im Tantra gern genutzt und gelehrt: um den Körper sanft zu trainieren, gelenkig zu bleiben oder zu werden und um mit anderen Übenden in Begegnung zu kommen.

Wie ein Tantra-Tag abläuft

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Die Schulungstage finden alle drei Monate statt, die Retreats dreimal im Jahr. Alle Beiträge stehen auf der Seite Preise.

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